(Originaltext aus der Jubiläumsausgabe "Theaterbote"

Am Anfang des Abenteuers Theater stand - so ungewöhnlich dies auch klingen mag - eine Entrümpelungsaktion. Als einige Fleißige im Herbst 1987 das Heim der katholischen Jugend einer Generalreinigung unterzogen, fiel diesen ein altes, vergilbtes Theatertextbuch in die Hände.
Interessiert begannen einige darin zu schmökern und bereits nach wenigen Seiten keimte der Gedanke: einmal selbst Theater zu spielen, das wäre doch was! Und so wurde kurzer Hand der Entschluss gefasst: im nächsten Fasching spielen wir Theater!
Mit "Das Heiratsgenie" wurde ein Stück ausgewählt, das überdies auch noch einen besonderen Poysbrunn-Bezug aufweisen konnte, war es doch jenes Stück, das 15 Jahre zuvor das letzte in Poysbrunn zur Aufführung gebrachte war. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Besetzung der einzelnen Rollen - so manchen verließ in Anbetracht des zunehmend konkreter werdenden Gedankens, schon recht bald der Mut - ging man voll Elan daran, alle notwendigen Vorbereitungsmaßnahmen für das Projekt "Theater" in die Wege zu leiten. Treibende Kräfte der ersten Stunde waren vor allem Josef Gruber und Silvia Zeiler, die auch erste Gespräche mit Ortsvorsteher Anton Hadriga führten, als es darum ging, abzuklären, ob die nach dem Luwa-Auszug leer stehende alte Schule als Theatersaal benutzt werden könne.
Da die Gemeinde mit diesem Vorschlag der Jugendlichen einverstanden war, wurde in der Folge nach Rücksprache mit Pfarrer Alois Steffel die alte Theaterbühne vom Dachboden des Pfarrhofes in die alte Schule transportiert.
Dort wurde die Bühne in zahlreichen Arbeitsstunden renoviert und aufgestellt.
Parallel zu diesen Bühnenarbeiten musste auch mit den Proben für das Stück begonnen werden. Als Regisseur hierfür konnte Günter Zeiler gewonnen werden. Als Probenlokal dienten in dieser ersten Phase die verschiedensten Küchen und Wohnzimmer in Poysbrunn, da die Schule auf Grund der Bautätigkeit nicht benutzt werden konnte.
Zur Jahreswende 1987/1988 zeigte sich sehr deutlich, dass der Termin Fasching als Aufführungstermin nicht haltbar war, da sich sowohl die Bühnenarbeiten als auch die Vorbereitungen des Stückes arbeitsintensiver als angenommen herausstellten.
Daher wurde als neuer Termin Ostern gewählt; ein Termin, der noch bis heute seine Gültigkeit hat. In weiterer Folge wurde mit "Lisl wird aufgeklärt" auch ein Einakter gesucht, der das Theaterprogramm des ersten Jahres vervollständigte.
So kam Ostern näher. Die Generalprobe wurde für Karfreitag festgesetzt (eine Tradition die ebenfalls bis heute aufrecht ist). Diese verlief dann nicht nach Wunsch, es gab mehrere Hänger und bei den Mitwirkenden machte sich eine gewisse Angst vor einem Reinfall breit. Aus heutiger Sicht ist es relativ einfach erklärbar, wie es dazu kam. Erstens war für alle Beteiligten der Umgang mit dem Lampenfieber neu und zweitens hatte sich durch die monatelange Beschäftigung mit den beiden Stücken eine gewisse Betriebsblindheit für die eigentliche Komik der Stücke eingestellt, die das ganze als eher trockene Angelegenheit empfinden ließ.
Es wurde jedenfalls für Karsamstag eine zusätzliche Probe eingeschoben, die dann zwar in etwas gereizter Stimmung, aber im großen und ganzen fehlerlos ablief.
Am Ostersonntag war es dann soweit - Tag der ersten Aufführung. Die Nachmittagsvorstellung wurde zwar nicht von allzu vielen Zuschauern besucht, verlief aber - bis auf einen aufgeklebten Oberlippenbart, der absolut nicht halten wollte - tadellos, was für die Beteiligten für Selbstvertrauen und Motivation Goldes wert war. Und die Abendvorstellung übertraf dann alle Erwartungen. Erstens einmal war das Publikumsinteresse gigantisch, 180 Zuschauer wurden im wahrsten Sinne des Wortes in den Saal geschlichtet und aus den umliegenden Häusern mussten die Küchensessel herangeschafft werden, um allen Zuschauern eine Sitzgelegenheit bieten zu können; und zweitens verhalf diese gewaltige Kulisse allen voran Josef Gruber, der in der Hauptrolle des Kassian "Kasl" Brandl glänzte, zu einer erheblichen Leistungssteigerung.
Da schließlich auch noch die Montagsvorstellung gut über die Bühne ging, fasste man den Entschluss, auch im darauf folgenden Jahr Theater zu spielen, was eigentlich von Haus aus nicht geplant war.
Somit war der Grundstein für die Theatergruppe Poysbrunn gelegt, die heute einen fixen Bestandteil des kulturellen Lebens in Poysbrunn darstellt.